PayPal Fakten | Katharina Hermann | 2. Oktober 2015 | 2390 Views | 0 Comments

PayPal lacht schallend über das KYC-Prinzip

KYC - Know your CustomerKYC - Kenne deine Kunden | CC0 Public Domain / pixabay.de

Das KYC-Prinzip (= Know-your-Customer-Prinzip / Kenne-deine-Kunden-Prinzip) soll Banken davor schützen betrogen zu werden und kriminelle Transaktionen gar nicht erst ermöglichen. Im weltweiten Kampf gegen Geldwäsche, Terrorismus und Kriminalität ist das KYC-Prinzip für sämtliche Banken, industriellen Institutionen und Finanzdienstleistern wie PayPal, seit Jahren Pflicht.

Das KYC-Prinzip ist somit ein fester Bestandteil sämtlicher Richtlinien, Empfehlungen und Bestimmungen die Paypal jedoch komplett mißachtet und nicht einzuhalten gedenkt. International angeordnet und mit Strafen belegt soll das KYC-Prinzip Schutz bieten. PayPal lacht über das KYC-Prinzip und legt es für sich je nach Bedarf anders aus.

Anzeige
Placeholder Banner

Das falsche Spiel mit den Worten

»Unter Mißachtung jeglicher Vorschriften und Regelungen werden diese je nach Bedarf ausgelegt und auch so gehandhabt«

Wie ist das zu verstehen mit dem Wortspiel werden sich nun einige von Ihnen fragen, und die Antwort darauf ist ganz einfach. PayPal ist eine lizensierte Bank mit Hauptsitz in Luxemburg und unterliegt somit auch dem europäischem Bankenrecht, Geldwäschegesetz sowie diversen Richtlininien des EU-Parlaments und vielen anderen. Und nicht nur das.

Das EU-Parlament in Brüssel

Auch das EU-Parlament in Brüssel hat klare Vorgaben | CC0 Public Domain / pixabay.de

Verpflichtende EU-Richtlinien aufbauend auf den Empfehlungen der FATF (= Financial Action Task Force on Money Laundering / Finanzbehördliche Eingreiftruppe für Geldwäsche), scheint PayPal komplett zu ignorieren. Schon jahrelang und mit Erfolg. Der Grund ist ebenfalls ganz einfach.

Aus der mittlerweile schon mehrfach angepassten und überarbeiteten ersten Richtlinie 91/308/EWG des Rates der Europäischen Gemeinschaften vom 10.6.1991 zur Verhinderung der Nutzung des Finanzsystems zum Zwecke der Geldwäsche, ABl L 166 vom 28.6.1991 geht seit 2008 hervor, das Banken nach dem sogenannten KYC-Prinzip die Personen, die Tätigkeitsfelder selbiger und der Hintergrund einer anstehenden Geschäftsbeziehung geprüft werden sollen bevor eine Geschäftsbeziehung zustande kommt.

Die Kernaufgabe des KYC-Prinzip ist es, alle relevanten Informationen über den Kunden zu erhalten. Weiterhin gehört dazu sich davon zu überzeugen das sämtliche Geldmittel keiner kriminellen Quelle entstammen und auch nicht zur Finanzierung krimineller Machenschaften genutzt werden. Die Prüfpflichten nach dem KYC-Prinzip sind also so zu verstehen, das die Prüfung persönlicher Daten und Geschäftsdaten von Neukunden eines Kreditinstituts (was PayPal seit 2007 auch ist) zur Prävention vor Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung auf der Grundlage des Geldwäschegesetzes (GWG) 2008 zu geschehen hat.

Die Prüfung umfasst im klaren die persönlichen Daten und die Geschäftsdaten von Neukunden. Dazu gehören sämtliche Daten die in einem festgelegten Identifizierungsdokument (ID-Card, ehem. Personalausweis oder Reisepass nebst dazugehörenden Zusatzdokumenten) enthalten sind, nebst der Verifizierung der Echtheit der Person zu den Daten.

Die Kontrolle und auch die Bewertung des Risikos an sich sind international durch folgende Rechtsnormen geregelt.

  • dem Patriot Act der Vereinigten Staaten von Amerika
  • den Empfehlungen der FATF (= Financial Action Task Force on Money Laundering / Finanzbehördliche Eingreiftruppe für Geldwäsche)
  • den Grundsätzen des Basler Ausschusses
  • den Wolfsberg Grundsätzen (= the Wolfsberg Group)
  • den Vorschriften der KFKM (= Kommission des Finanz- und Kapitalmarktes)
  • dem Gesetz zur Vorbeugung der Legalisierung illegal erwirtschafteter Mittel und Finanzierung des Terrorismus (= Law on the Prevention of Money Laundering and Terrorism Financing)

Da eine persönliche Vorsprache und Vorstellung bei PayPal als reiner Online-Dienst nicht möglich ist, müsste laut verschiedenen und mehrfach erwähnten Vorschriften die Echtheit der Person mittels PostIdent oder Institutionen wie Banken bestätigt werden.

Anzeige
Placeholder Banner

Das überall in Deutschland verbreitete und auch gängige PostIdent Video dauert in einem normalen Durchlauf gerademal 2 Minuten und die Echtheit der Daten sowie der Person sind umgehend bestätigt und wichtiger noch, sofort einsatzbereit.

Hier ist eine Übersicht der Prüfungspflichten die von PayPal je nach Bedarf auslegt werden und im ganzen eigentlich nur ignoriert werden

  • Von der generellen Prüfung können Standard-Kleinkunden ausgeschlossen werden die weder besonders umfangreiche noch besonders außergewöhnliche Geschäfte tätigen wollen. Zu definieren wäre hier was als umfangreich gilt und was nicht. Da PayPal bei Kontoeröffnung aber nichts in dem Bezug in Frage stellt, gelten zunächst bei Paypal wohl alle Neukunden als Standard-Kleinkunden, selbst bei der Eröffnung von Geschäftskonten.
  • Bei Geschäftsbeziehungen mit natürlichen Personen (siehe §1 BGB – Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt) muss die Art der Berufstätigkeit erfasst werden sowie der Zweck der angestrebten Geschäftsbeziehung.
  • Bei Geschäftsbeziehungen mit politisch exponierten Personen muss der Ausübungsort erfasst werden sowie die ausgeübte Funktion.
  • Bei Geschäftsbeziehungen mit juristischen Personen (im Allgemeinen Firmen etc.) muss die Art der Gesellschaft, das Tätigkeitsfeld, die Branche nebst Branchencode, die Anzahl der Mirabeiter, die Besitzverhältnisse sowie die Firmenstruktur und die Finanzkennzahlen im einzelnen geprüft werden.

Bei allen angesprochen Punkten muss zudem generell die Herkunft von Geldern und Vermögen geklärt werden. Details der angestrebten Kundenbeziehung und der Umfang der Zahlungsverkehrsarten sind in der Prüfung mit eingeschlossen. Zu guter Letzt sind alle mitwirkenden Personen zu dokumentieren die an der Erstellung des KYC-Dokument mitgewirkt haben. In jeder normalen Bank wäre es z.Bsp. der Betreuer oder der persönliche Ansprechpartner sowie die Personen welche bei Antragsstellung alle Daten vom Kunden erfasst haben.

PayPal, lerne deine Kunden kennen

PayPal, lerne deine Kunden kennen | CC0 Public Domain / pixabay.de

Wenn wir jetzt anhand der gängigen Praxis von PayPal davon ausgehen, das PayPal alle Kontoeröffner und Neukunden als potenzielle Standard-Kleinkunden einstuft, dann wird uns auch klar warum ohne jegliche Verifizierungen Konten wahllos auf x-beliebige Namen eröffnet werden können und nunmehr wird auch das Wortspiel von Paypal verständlich.

Selbst Geschäftskonten werden ohne jegliche Prüfung eröffnet obwohl diese ganz klar definiert einer umfangreicheren Prüfungspflicht unterliegen.

Die Grundlagen für das KYC-Prinzip sind im Art. 8 in der 3. EU-Geldwäsche-Richtlinie aufgeführt. Die genauen Prüfpflichten sind jedoch teils unklar definiert insbesondere in Bezug auf den sogenannten Standard-Kleinkunden. Und diese schwammige Formulierung nutzt PayPal gezielt aus und unterlässt somit alle erforderlichen Prüfungen zu Lasten der Sicherheit der Kunden.

Selbst Prüfungen die den Prüfungspflichten unterliegen und bei Verletzung oder Unterlassung bestraft werden können, werden von PayPal komplett ignoriert. In den USA hat PayPal schon sehr hohe Strafen zahlen müssen wegen diverser Verletzungen von Richtlinien und Bestimmungen. In Europa kam es leider noch nicht in dem Außmaß dazu.

Einer der Gründe wird wohl die jahrelange Monopol-Stellung sein die PayPal als eBay-Tochter besaß, die aber nunmehr langsam in sich zusammenfällt. Ein weiterer Grund wird sein das bisher noch keine oder nur zu wenige Klagen bei den zuständigen internationalen Aufsichtsbehörden erfasst wurden. Und daran sind wir als Kunden selbst Schuld da wir alles schweigend hinnehmen.





Kommentar hinterlassen zu "PayPal lacht schallend über das KYC-Prinzip"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*